Keine Angst vor der EZB

Keine Angst vor der EZB

In Deutschland ist im vergangenen Jahr die Inflationsrate auf 1,8 Prozent gestiegen. Das ist der höchste Stand seit 2012. Die erhöhte Teuerungsrate untermauert die Sorgen vor steigenden Zinsen. Denn die sind eigentlich nichts anderes als der Preis für geliehenes Geld.

Das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) ist erreicht – zumindest in Deutschland. Die Währungshüter peilen nach eigenen Angaben eine Preissteigerung von knapp zwei Prozent an. Mit einer Teuerungsrate von 1,8 Prozent hat die Bundesrepublik 2017 sozusagen eine Punktlandung hingelegt. Allerdings gilt das Inflationsziel der EZB nicht allein für Deutschland, sondern natürlich für die gesamte Eurozone. Hier sind die Verbraucherpreise zuletzt um 1,5 Prozent gestiegen und damit noch nicht ganz so stark, wie von der EZB gewünscht. Aber auch in der Eurozone entwickelt sich die Inflationsrate – aus Sicht der EZB – in die richtige Richtung. Denn von November 2016 bis November 2017 erhöhte sich die Teuerungsrate von 0,6 auf die genannten 1,5 Prozent. Da gleichzeitig die Konjunktur in den Euroländern zunehmend besser in Schwung kommt, geraten die Zentralbanker immer stärker in Erklärungsnot, wann und wie sie ihr Anleihenkaufprogramm reduzieren oder beenden wollen. Denn die expansive Geldpolitik verliert zunehmend ihre Daseinsberechtigung.

Die EZB hat zum Jahreswechsel ihre Anleihekäufe von 60 auf 30 Milliarden Euro pro Monat reduziert. Mit dem Geld ließe sich jedoch noch immer der DAX-Wert Münchner Rück erwerben – und zwar Monat für Monat. Vorerst sollen die Liquiditätsspritzen – und nichts anderes sind die Anleihenkäufe – bis September fortgeführt werden.

Höhere Zinsen ja, Zinscrash nein

Nicht wenige Marktteilnehmer befürchten, dass es nach der möglichen Beendigung der expansiven Geldpolitik der EZB zur viel beschworenen Zinswende kommen könnte. Tatsächlich sind die Renditen 10-jähriger Bundesanleihen bereits ans obere Ende ihres Seitwärtskanals von 0,2 bis 0,5 Prozent gestoßen beziehungsweise haben diesen geringfügig nach oben durchbrochen. Weitere Zinssteigerungen sind angesichts der steigenden Inflation, des robusten Konjunkturaufschwungs und der absehbar nicht mehr ganz so lockeren Geldpolitik der EZB wahrscheinlich. Gegen Ende des Jahres könnten 10-jährige Bunds durchaus mit rund ein Prozent rentieren.

Ein Zinscrash scheint dagegen unwahrscheinlich. Selbst wenn die EZB neue Anleihenkäufe reduziert oder ganz einstellt, wird sie weiter an den Rentenmärkten aktiv bleiben. Denn dann gilt es erst einmal das aus auslaufenden Anleihen frei werdende Geld zu reinvestieren. Außerdem werden die Währungshüter noch eine ganze Zeit lang die Leitzinsen bei null Prozent belassen. Das (inoffizielle) Ziel der EZB, weiter für ein niedriges Zinsniveau zu sorgen, bleibt nämlich unverändert. Durch stark steigende Zinsen kämen vor allem die hoch verschuldeten Südstaaten in die Bredouille. Das will EZB-Chef Mario Draghi um jeden Preis verhindern. Angst vor der EZB beziehungsweise vor einem Zinscrash ist somit übertrieben. Ein etwas höheres Zinsniveau scheint dagegen durchaus denkbar und aus Sicht der EZB wohl auch akzeptabel.

Für die Anleger bedeutet dieses Szenario, dass sich in den kommenden Monaten mit Anleihen nur schwer Geld verdienen lässt. Ein hoher Rentenanteil im Depot wie beim easyfolio 30 ist vor diesem Hintergrund vor allem dann anzuraten, wenn Geld kurzfristig geparkt werden soll. Unter Renditegesichtspunkten aussichtsreicher ist easyfolio 50, bei dem Aktien und Anleihen jeweils die Hälfte ausmachen. Mit dieser Kombination setzen Anleger auf die Chancen, die Aktien bieten, ohne auf die Sicherheit von Anleihen zu verzichten. Die größten Renditechancen sind mit easyfolio 70 verbunden. Der hohe Anteil an Aktien von 70 Prozent setzt allerdings voraus, dass Anleger die damit verbundenen höheren Schwankungen emotional aushalten können.

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