Dollar im Abschwung: Bleibt das so?

Dollar im Abschwung: Bleibt das so?

Seit mehr als einem halben Jahr verliert der US-Dollar fast täglich an Wert. Von der Wahl Donald Trumps zum neuen Präsidenten der USA hat der Greenback nur kurz profitiert. Die Hoffnungen, dass die Trump-Administration durch Steuerreformen und Infrastrukturprogramme die heimische Wirtschaft ankurbelt und so auch für einen festeren Dollar sorgt, haben sich bislang nicht erfüllt. Doch mit der Dollar-Schwäche könnte es schon bald wieder vorbei sein – Anleger aus dem Euro-Raum könnten davon profitieren.

An den Devisenmärkten war die Freude über den Wahlsieg von Donald Trump nur von kurzer Dauer. Gerade einmal bis Ende vergangenen Jahres legte der US-Dollar zu – seitdem befindet sich die amerikanische Währung im Sinkflug. Das gilt sowohl gegenüber dem Euro als auch im Vergleich zu anderen Währungen. Die Dollar-Schwäche hat seine Gründe: Die Regierung unter Trump schreibt vor allem mit Skandalen und Personalwechseln Schlagzeilen. Praktische Erfolge bei den groß angekündigten Steuersenkungen oder Infrastrukturprogrammen sind bislang Mangelware. Die Maßnahmen zur Konjunkturankurbelung lassen auf sich warten. Vor diesem Hintergrund scheint die amerikanische Notenbank Fed die geldpolitischen Zügel nicht so schnell und fest anzuziehen, wie es die Finanzmärkte ursprünglich unterstellt hatten. Für dieses Jahr ist noch eine Zinsanhebung um 25 Basispunkte zu erwarten, auf dann 1,5 Prozent; für 2018 dürften es maximal zwei Zinsschritte sein – auch ein Stillhalten ist möglich.

Gleichzeitig hat sich im Euro-Währungsraum eine neue wirtschaftliche Dynamik breitgemacht. Viele Indikatoren – nicht nur in Deutschland – weisen nach oben, das einstige Wachstumsgefälle zu den USA hat sich erheblich eingeebnet. Nach Schätzungen der OECD legt das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Euro-Zone in diesem und im nächsten Jahr um rund zwei Prozent zu. Wirtschaftliche und politische Krisenherde wie in Griechenland, Italien oder Frankreich haben – zumindest vorübergehend – an Stärke verloren. Schließlich schickt sich die Europäische Zentralbank (EZB) an, ihre Geldpolitik zu „normalisieren“. Der Druck steigt, bekannt zu geben, wann und in welchem Ausmaß die EZB ihre Anleihekäufe zurückfährt.

Kurzum: Während die USA unter Trump enttäuschen, überrascht der alte Kontinent positiv. Das alles ist jedoch in den Wechselkursen bereits eingepreist. Eine einfache Fortschreibung des Dollar-Abwärtstrends erscheint daher fahrlässig. Es ist durchaus möglich, dass die immer noch neue US-Regierung langsam Tritt fasst und die eine oder andere Reform auf den Weg bringt. In Euro-Land dürfte dagegen das positive Überraschungspotenzial langsam aufgebraucht sein. So ist beispielsweise nach dem dritten Rekord beim Ifo-Index wieder einmal ein Rückgang fällig.

Erfahrungsgemäß neigen Finanzmärkte zwar zum Überschießen – für die Devisenmärkte gilt das ganz besonders. Mittelfristig sprechen aber auch die Zinsdifferenzen, nominale wie reale, für kurze oder längere Laufzeiten eindeutig für den Dollar. Die Modellierungen von Hauck & Aufhäuser für den Euro-Dollar-Kurs sehen seinen „fairen“ Wert bei rund 1,05; mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent sollte der Kurs in einem Band von 0,95 bis 1,15 liegen. Der Dollar hat also Aufwertungspotenzial. Anleger aus dem Euro-Raum können für dieses Szenario eine kombinierte Strategie wählen. Ihr direktes Element ist der Kauf von US-Dollar-Kasse oder US-Anleihen; wer Zinsänderungsrisiken begrenzen will, kann sich mit kurzen Laufzeiten begnügen. Das indirekte Element ist der Kauf exportlastiger, dollarsensitiver Aktien oder Aktienindizes wie dem DAX. Ein Anleger kann je nach Risikoprofil beide Elemente beliebig variieren.

ReinhardPfingstenQuerAls einer der führenden Köpfe von Hauck & Aufhäusers Privatbankiers und medienpräsenter Geldanlage-Experte, hält Reinhard Pfingsten seit Mai 2016 zudem die Position als Chief Investment Officer (CIO) von easyfolio inne. In seinen Kommentaren schreibt er, was die Weltwirtschaft derzeit bewegt.

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