Die deutsche Konjunkturuhr und der DAX

Die deutsche Konjunkturuhr und der DAX

Die deutsche Wirtschaft brummt – und mit ihr der Aktienmarkt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im Mai auf den höchsten Stand seit 1991 gestiegen. Gleichzeitig haben die Unternehmen ihre Erwartungen nach oben revidiert. Die boomende Konjunktur zieht deutsche Aktien mit nach oben. Das kann, muss aber nicht so weitergehen.

Die aktuelle Konjunkturdynamik in Deutschland speist sich aus mehreren Quellen. So sind die Finanzierungsbedingungen nach wie vor außerordentlich günstig. Die Kreditzinsen sind niedrig und bleiben es vermutlich auch. Davon profitiert insbesondere die Nachfrage nach Immobilienkrediten und in der Folge der Wohnungsbau. Verstärkt wird diese Entwicklung dadurch, dass immer mehr Menschen in Lohn und Brot stehen. Das spielt auch beim privaten Konsum eine treibende Rolle. Zudem sind die realen Steigerungen der Lohn- und Transfereinkommen bis zuletzt spürbar gewesen.

Auch die gesunkenen Energiepreise sorgen dafür, dass die Verbraucher mehr Geld in der Tasche haben, und verstärkt konsumieren können. Der vergleichsweise niedrig bewertete Euro verbessert die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Exporteure. Und schließlich sendet die deutsche Finanzpolitik durch Leistungsausweitungen im Gesundheits- und Pflegebereich einen positiven Konjunkturimpuls von etwa 0,3 bis 0,4 Prozent des nominalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus.

Schon vor mehr als sieben Jahren setzte der Aufschwung ein, einige Male fiel die Konjunktur aus dem Boom- in den Abschwungmodus, Mitte 2012 roch es sogar nach Rezession. Aber jedes Mal war der Rückgang der konjunkturellen Dynamik nur vorübergehender Natur.

Der wirtschaftliche Ausblick für Deutschland ist verheißungsvoll, denn momentan sind kaum Wolken am Konjunkturhimmel zu sehen. Das Brexit-Gespenst hat seinen Schrecken verloren und negative Rückkopplungen von Wahlen in Europa auf die Konjunktur dürften wohl ausbleiben. Ähnlich verhält es sich mit den befürchteten protektionistischen Tendenzen. Die Notenbanken ziehen ihre Zügel nicht oder nur sehr behutsam an; die Konjunktur in China scheint sich gefangen zu haben; fallende Öl- und Rohstoffpreise lösen mittlerweile nicht mehr Konjunktursorgen aus. Kurzum: Die konjunkturelle Lage in Deutschland ist robust.

Das gilt mittlerweile auch für die europäischen Peripherieländer. Dabei kommt es weniger auf das absolute Niveau, sondern vor allem auf die Veränderungen an – und die sind nach oben gerichtet. In diesem Umfeld dürften auch die Unternehmen weiter steigende Gewinne einfahren. Nur bei den Zinsen könnte sich die Lage verschlechtern. Über kurz oder lang muss EZB-Chef Mario Draghi erklären, wie und wann er aus dem Anleihenkaufprogramm aussteigen will. Geht er dabei nicht äußerst geschickt vor, könnte dies die Finanzmärkte spürbar unter Druck setzen. Dazu kommt, dass die Volatilitäten derzeit am unteren Rand der Bandbreite der vergangenen zehn Jahre notieren. Unter den Anlegern herrscht eine (zu) große Sorglosigkeit. So könnte die derzeit laufende Aktien-Rally zum Beispiel durch einen erneuten Verfall der Ölpreise gestört werden. Denn trotz der OPEC-Kürzungen leidet der Sektor unter einem Überangebot. Grund ist, dass die amerikanische Fracking-Industrie den Ölhahn wieder aufdreht. Für Probleme könnten auch die Wechselkurse sorgen. Dabei ist weniger das Ausmaß, sondern mehr die Geschwindigkeit der jüngsten Euro-Aufwertung bedenklich. Schließlich sind statistisch betrachtet der August und der September die schlechtesten Börsenmonate.

Anleger sollten also trotz des insgesamt positiven Aktien-Umfelds auf Rückschläge vorbereitet sein.

ReinhardPfingstenQuerAls einer der führenden Köpfe von Hauck & Aufhäusers Privatbankiers und medienpräsenter Geldanlage-Experte, hält Reinhard Pfingsten seit Mai 2016 zudem die Position als Chief Investment Officer (CIO) von easyfolio inne. In seinen Kommentaren schreibt er, was die Weltwirtschaft derzeit bewegt.

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