Aktien können auch 2018 weiter steigen

Aktien können auch 2018 weiter steigen

Seit dem Frühjahr 2009 legen die Kurse an den internationalen Aktienmärkten zu, also bereits seit mehr als achteinhalb Jahren. Eine so längere Hausse gab es nur im Vorfeld der Telekom-, Medien- und Technologieblase (TMT-Bubble), die im Jahr 2000 zu platzten begann. Das Ende ist bekannt. Vor diesem Hintergrund fragen sich viele Anleger, ob die Aktienkurse auch 2018 noch weiter steigen können. Das scheint durchaus möglich. Denn das gute, fast märchenhafte Umfeld bleibt vorerst intakt – mit noch einmal steigenden Unternehmensgewinnen und niedriger Inflation beziehungsweise einem tiefen Zinsniveau. Eine berühmt-berüchtigte „Blasenbildungen“ sehen wir noch nicht, auch wenn die Bewertungen in den USA schon vergleichsweise hoch sind.

Die wichtigsten Kurstreiber für Aktien sind und bleiben die Unternehmensgewinne. Im Jahr 2017 haben die Firmen spürbar mehr verdient als im Jahr zuvor, was sich auch in den entsprechenden Aktienkursen widergespiegelt hat. Das dürfte sich fortsetzen: Unseren Gewinnmodellen folgend gehen wir für 2018 von einem Wachstum der Unternehmensgewinne von bis zu zehn Prozent aus. In Japan und den asiatischen Schwellenländern dürften die Gewinnsteigerungen sogar noch höher ausfallen. Gleichzeitig verharren die Inflation und die Zinsen voraussichtlich auf einem niedrigen Niveau.

Allerdings haben sich durch die Rally der vergangenen Jahre auch die Bewertungen für Aktien stark erhöht. Das gilt vor allem für die USA. Auf Basis der für 2019 erwarteten Gewinne liegt dort das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bei rund 19 und damit über dem langjährigen Durchschnitt. Das sogenannte Shiller-KGV der 500 größten US-Aktien (S&P 500) notiert sogar im Bereich von 30. Der Durchschnittswert der vergangenen Jahre liegt dagegen bei circa 20.

Das Shiller-KGV setzt den Kurs und den durchschnittlichen Gewinn je Aktie der zurückliegenden zehn Jahre ins Verhältnis. Der amerikanische Nobelpreisträger Robert Shiller, nach dem die Kennzahl benannt ist, eliminiert dadurch konjunkturell bedingte Ausreißer nach oben und nach unten. Außerdem rechnet das Shiller-KGV die Inflation raus.

In der Vergangenheit war es so, dass Aktien bei einem Shiller-KGV von mehr als 25 in den folgenden zehn Jahren einen inflationsbereinigten Ertrag von gerade einmal zwei Prozent p.a. geliefert haben. US-Aktien könnten also die besten Zeiten bereits hinter sich haben. Anleger sollten zumindest nicht die hohen Bewertungen in den Vereinigten Staaten ignorieren und denken, dass in Zeiten der Technologisierung, Globalisierung und Digitalisierung Aktienmärkte neuen Mustern folgen und alte nicht mehr zählen: Eine „this time is different“-Haltung kann sich als trügerisch erweisen.

Europäische Aktien sind deutlich attraktiver bewertet als US-Aktien. Das gilt noch mehr für Aktien aus den Schwellenländern, insbesondere die aus dem asiatisch/pazifischen Raum. Gemessen am KGV, basierend auf den Gewinnerwartungen für die kommenden zwölf Monate, kommen Schwellenländer auf ein KGV von 12, bei Werten aus den Industriestaaten beläuft sich das KGV dagegen auf 17.

Die Aktienkurs-Entwicklung ist jedoch keine Einbahnstraße. Für einen Stimmungsumschwung würde es schon reichen, wenn einige große Unternehmen mit ihren Ergebnissen unter den Erwartungen liegen. Investoren versuchten dann in großem Stil, die Gewinne der vergangenen Jahre zu retten – eine Verkaufswelle rund um den Globus wäre zu befürchten.

Einen ähnlichen Effekt würde auch ein plötzlicher Anstieg der Zinsen auslösen. Künftige Unternehmensgewinne würden dann stärker abgezinst, wodurch sie in der Gegenwart weniger wert wären. Das Ende der durch Niedrigzinsen gespeisten Dekade steigender Vermögenspreise wäre eingeläutet, auch für die Immobilienmärkte.

Beide Risikoszenarien sind möglich, auch wenn wir sie in den nächsten Monaten für wenig wahrscheinlich halten. Das erklärt jedoch auch, warum wir unseren Prognosekorridor für den DAX für 2018 weit gefasst haben: 12.000 Punkte als untere, 15.000 Zähler als obere Begrenzung, mit 14.000 Punkten als eine plausible Annährung für den Jahresendwert. Trotz insgesamt guter Aussichten sollten Anleger auf vorübergehende Kursdellen vorbereitet sein.

Burkhard Allgeier hält die Position als Chief Investment Officer (CIO) von Hauck & Aufhäuser Privatbankiers und easyfolio inne.

 

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