Aktien: Der Einfluss des Zinsniveaus

Aktien: Der Einfluss des Zinsniveaus

Theoretisch sind steigende Zinsen schlecht für Aktien, praktisch stimmt das aber nicht immer. Warum klaffen die Theorie und die Praxis auseinander?

Die erwarteten risikobehafteten Unternehmensgewinne und die sich daraus ergebenden Dividendenzahlungen müssen sich mit vermeintlich sicheren Zinszahlungen, die am Rentenmarkt erzielt werden, messen. Auch das Wachstum für Unternehmen wird bei steigenden Zinsen teurer. Denn Wachstumsprojekte liefern meistens erst in den späteren Jahren spürbare Ergebnisbeiträge, was sie bei steigenden Zinsen aufgrund der Diskontierung weniger attraktiv macht. Schließlich hat das Zinsniveau Einfluss auf verschiedene Bilanzposten eines Unternehmens. Vor allem bei langfristigen Verpflichtungen oder Vermögenswerten wie Pensionen respektive eines Lizenzvertrags kann sich das Zinsniveau deutlich niederschlagen.

In Summe lässt sich feststellen, dass steigende Zinsen in den meisten Fällen zu einem niedrigeren Unternehmenswert führen müssen. Dennoch lassen sich Phasen mit einem positiven Zusammenhang zwischen Zinsen und Aktienkursen feststellen – woran liegt das?

Höhere Zinsen dank höherer Inflation

Zentralbanken heben Zinsen normalerweise dann an, wenn sie einer steigenden Inflation entgegenwirken möchten. Teuerung entsteht in einer florierenden Wirtschaft, wenn durch hohe Beschäftigung das Lohnniveau steigt, Unternehmen aufgrund zunehmender Nachfrage höhere Preise durchsetzen und somit Gewinnsteigerungen erzielen. Diese Situation beschreibt im Normalfall das nahende Ende eines Konjunkturzyklus.

Tatsächlich ist es so, dass Zinsanstiege, die lediglich durch den Anstieg der Inflationserwartung ausgelöst werden, für die Aktienmärkte positiv sind. Erst wenn die Realrenditen ebenfalls ansteigen, dreht sich der Effekt um und die oben beschriebene Theorie wird auch Wirklichkeit.
Da in den vergangenen Monaten und auch voraussichtlich im Jahr 2017 nur die Inflationserwartungen zunehmen, aber nicht die Realrenditen, werden auch die Aktienmärkte nicht durch steigende Renditen belastet.

Welche Unternehmen profitieren in einem solchen Szenario besonders? Im Falle eines Zinsanstiegs suchen wir Unternehmen, die möglichst wenig Fremdkapital besitzen, deren Unternehmenswert stärker auf zeitnahen Gewinnen und weniger auf Zukunftsprojekten basiert. Auch zyklische Werte, welche trotz des fortgeschrittenen Konjunkturzyklus immer noch eine niedrige Bewertung aufweisen, sind interessant.  „Value“ mit niedriger Volatilität steht also bei uns im Vordergrund. Zudem wird auch der Anstieg der Inflationserwartung sich nicht in diesem Maße fortsetzen. Hier ist doch schon einiges vorweggenommen worden.

ReinhardPfingstenQuerAls einer der führenden Köpfe von Hauck & Aufhäusers Privatbankiers und medienpräsenter Geldanlage-Experte, hält Reinhard Pfingsten seit Mai 2016 zudem die Position als Chief Investment Officer (CIO) von easyfolio inne. In seinen Kommentaren schreibt er, was die Weltwirtschaft derzeit bewegt.

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